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Wie läuft eine Untersuchung in der Dysplasiesprechstunde ab und tut sie weh?
Die Untersuchung im Rahmen der Dysplasiesprechstunde unterscheidet sich zunächst nicht wesentlich von einer normalen gynäkologischen Untersuchung. Nach der Eingangsbesprechung mit Ihnen beginnt die Untersuchung auf dem gynäkologischen Stuhl (Wichtig: nicht während der Menstruation !!). Zunächst erfolgt eine Betrachtung des äusseren Genitale (Schamlippen und Scheideneingang) mit dem blossen Auge und dem Kolposkop. Anschliessend werden Scheide und Gebärmutterhals auf gleiche Weise untersucht. Wichtig ist es, den Gebärmutterhals mittels optimaler Einstellung der Scheidenspiegel (Spekula) und Entfernung von Schleim komplett sichtbar zu machen . Nur so kann er ausreichend beurteilt werden. Danach erfolgt die kolposkopisch gezielte Abstrichentnahme vom äusseren Muttermund und aus dem Gebärmutterhalskanal. Es kann zusätzlich ein Abstrich für Humane-Papilloma-Viren (HPV) entnommen werden, falls dieser noch nicht vorher erfolgt ist.
Anschliessend beginnt die eigentliche kolposkopische Untersuchung: Hierzu wird der Muttermund mit einer 3% igen Essigsäurelösung betupft, was nur selten zu leichtem Brennen in der Scheide führen kann. Die Essigsäure lässt die Schleimhautareale, in denen Zellveränderungen ver- mutet werden, aufquellen. Es zeigen sich hier je nach Schwere der Veränderungen typische weissliche Ver- färbungen (s. Bild CIN I), die dem Arzt die Möglichkeit einer Einschätzung des Schweregrades einer Verände- rungen geben kann. Wichtig ist insbesondere, ob sich einer Veränderung nur auf dem äusseren Muttermund befindet oder ob sie sich in den Gebärmutterhalskanal erstreckt. Um die Ausdehnung der Veränderungen abzuschätzen, wird möglicherweise der Gebärmutterhals auch mit einer Jod- lösung (Lugolsche Lösung) betupft. Besteht eine Jodun- verträglichkeit /Jodallergie oder eine Schilddrüsenüber- funktion, so sollte dies dem Arzt zu Be ginn der Unter- suchung mitgeteilt werden. Alle Befunde werden fotografiert, um bei ggf. notwendigen Folgeuntersuchun- gen den Ort der Veränderung wieder zu finden.
Um die Diagnose zu sichern ist bei auffälligen Befunden eine Gewebeentnahme mit einer kleinen speziellen Zange, eine so genannte Knipsbiopsie, notwendig. Da der Gebärmutterhals nahezu schmerzunempfindlich ist, verursacht die Knipsbiopsie meist keine oder nur minimale Schmerzen. Nur selten muss hierzu örtlich betäubt werden (Lokalanästhesie). Wir sollten uns hierzu vorher verständigen, denn bei starkem Angstgefühl ist eine örtliche Betäubung durchaus hilfreich. Blutungen können oft schon durch etwas Druck auf die Entnahmestelle gestillt werden oder durch eine blutstillende Lösung (Albothyl, Monsel). Abschliessend wird die Scheide erneut innen und aussen beurteilt, um mögliche übersehen Veränderungen in diesem Bereich festzustellen. Am Ende der Untersuchung wird nach Entnahme einer Gewebeprobe ein Tampon eingelegt. Dieser kann nach einigen Stunden wieder entfernt werden.
Falls eine Biopsie durchgeführt wurde, sollte die nächsten zwei Tage auf Vollbäder und Geschlechtsverkehr verzichtet werden. Geringe Schmierblutungen sind durchaus möglich, aber völlig ungefährlich.
Das entnommen Gewebe wird vom Pathologen untersucht. Das kann einige Tage in Anspruch nehmen. Eine endgültige Diagnose und Festlegung der Therapie ist erst möglich, wenn alle Ergebnisse, insbesondere das der Gewebeprobe, vorliegt. Dieses beinhaltet nicht nur die Unterteilung in die Stufen CIN I bis III, sondern auch weitere Prognosemarker können an der Gewebsprobe bestimmt werden (Viroaktiv=L1 Capsidprotein, p16 Überexpression, Proliferationsgrad). Das weitere Vorgehen wird dann je nach Absprache mit uns oder Ihrem Frauenarzt festgelegt. Hier können Sie unseren Flyer Dysplasiesprechstunde als PDF laden
Welche Therapie ist beim Vorliegen eines Pap IIID oder einer Dysplasie erforderlich?
Leider werden in Deutschland noch zu viele Befunde mit leichter und mittlerer Zervixdysplasie zu schnell und zu ausgedehnt operiert. Die häufigste Operation ist die Konisation. Dabei wird mit dem Skalpell, der elektrischen Klinge oder dem Laser ein kegelförmiges Stück Gewebe ausgeschnitten (Konus). Je nach Tiefe der Konisation kann es durch diesen Eingriff bei späteren Schwangerschaften zu einer Schwäche des inneren Muttermundes (Zervixinsuffiziens) mit folgender Frühgeburt kommen. Die Vernarbungen im Gebärmutterhalskanal können die Fruchtbarkeit der betroffenen Frauen reduzieren. Deshalb sollte eine Konisation nur bei nachgewiesenen schweren Dysplasie (CIN III), einer direkten Krebsvorstufe (Carcinoma in situ) oder bei sehr tief in den Gebärmutterhals reichenden Veränderungen vorgenommen werden.
Bei der Schlingenresektion LEEP (Loop electrosurgical excision procedure) wird mit einer elektrischen Schlinge(Hochfrequenz) eine dünne Scheibe vom äußeren Muttermund abgetragen (s. Bild unten), genau die Schicht, in der sich die auffälligen Zellen (Dysplasien) befinden. Der Eingriff erfolgt ambulant in einer flachen Narkose und dauert etwa 10 Minuten und verursacht kaum Schmerzen oder Blutungen
Das Vorgehen in unserer Praxis richtet sich nach den Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft für Cervixpathologie und Colposcopy (AG CPC), deren anerkannte Dysplasiesprechstunde wir sind. Leichte (CIN I) und auch mäßige Dysplasien (CIN II) unterliegen einer hohen, spontanen Rückbildungs- oder Heilungsrate (Spontanregression/-remission, s. Grafik unten). CIN I: 50-70% Spontanremission; zuwartendes Vorgehen, Kontrolle von Kolposkopie, Zytologie und ggf. nochmalige Biopsie in 3-4 Monaten.
CIN II: Ca. 30-50% Spontanregression. Abwägen zwischen zuwartendem Vorgehen mit nochmaliger Biopsie in 3-4 Monaten oder flache Entfernung des betroffenen Areals am Muttermund LEEP, s.o.). Nach Sicherung durch Biopsie können restliche Befunde auch mit dem Laser verdampft (varporisiert) werden. CIN III: Noch ca. 10% Rückbildungsrate. Abwägen zwischen zuwartendem Vorgehen mit nochmaliger Biopsie in 3-4 Monaten oder Schlingenentfernung: tendenziell eher operieren.
Carcinoma in situ (Cis): Kaum noch Tendenz zur spontanen Rückbil-dung; konventionelle oder Laser-Konisation. Bei wiederholtem Auftreten (Rezidiv) eines Cis auch Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) möglich, durch die Scheide (vaginal) oder per Bauchschnitt (abdominal).
Kondylome (Condyloma acuminata), Polypen und Papillome an Damm, Scheide und Muttermund: Meist ist eine Abtragung mit einer kleinen örtlichen Betäubung möglich. Bei Kondylomen, die durch Viren ausgelöst werden (HPV low risk) lohnt ein nicht operativer Therapieversuch mit einer Podophyllinlösung zum Auftupfen oder einer Salbe mit Imiquimod (Aldara).
Darstellung der Hochfrequenz-Schlingenprozedur LEEP (Loop Electrosurgical Excision Procedure)
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