Therapie der Belastungsinkontinenz

Beckenbodengymnastik

Die Basis einer jeden Behandlung der Belastungsinkontinenz ist die Beckenbodengymnastik (BBG), entweder als einzige Therapie oder in Verbindung mit Medikamenten oder nach einer Operation. Die BBG sollte möglichst durch speziell ausgebildete Physiotherapeuten erfolgen (Therapeutenliste nach PLZ: www.ag-ggup.de).
Nur regelmäßige Übungen und Anwendung der erlernten Übungen im täglichen Leben sichert den Erfolg.

Biofeedback

Bei Mittels ballonartigem oder elektrischen Druckaufnehmer in der Scheide kann der Erfolg der BBG an einer Messskala überprüft werden. Der Umgang mit Biofeedback-Geräten (z.B. C.O.M.E.) kann im Rahmen der BBG vermittelt werden. messen.

Elektrostimulation

Mittels einer Elektrode in der Scheide oder auf der Haut werden die Muskeln des Beckenbodens gestärkt und so die Verschlusskraft des Schliessmechanismus der Harnblase verbessert. Eine Einweisung erfolgt durch geschulte Inkontinenzberaterinnen.

Medikamente

Es gibt zur Zeit nur ein Medikament zur Therapie der Belastungsinkontinenz. Das Medikament heißt Yentreve®, der Wirkstoff ist Duloxetin. Es wird einschleichend bis 2×40 mg/Tag genommen und stärkt den Schließmuskel der Harnröhre (Sphincter) auf chemische Weise.
Bei Frauen im Klimakterium empfiehlt sich auch die Gabe von Östrogenen. Meist reicht es, zweimal in der Woche ein Scheidenzäpfchen mit einem leichten Östrogen (Östriol, nicht Östradiol wie in den meisten Tabletten) zur Nacht einzuführen. Eine erhöhte Gefahr für Brustkrebs entsteht dadurch nicht.

Operationen (TVT/TOB/TOT)

Es gibt schon seit Jahrzehnten Operationen zur Behandlung der Belastungsinkontinenz (Burch- Operation), bei denen vom Bauchschnitt aus die Harnröhre angehoben und fixiert wurde. Häufig war Harnverhalt, also eine Überkorrektur, die Folge, ebenso bei den frühen Schlingen-Operationen (n. Stammey).

Seit 1996 gibt es ein neues und sehr erfolgreiches Schlingenverfahren, die spannungsfreie Vaginal- schlinge. Aus der englischen Übersetzung tension free vaginal tape wurde die weit verbreitete Abkürzung TVT abgeleitet, ursprünglich für das Verfahren der Firma Gynecare. In einer etwa halbstündigen Operation in Narkose wird ein Kunststoffband (Polypropylen) von einem kleinen Schnitt an der Scheidenvorderwand mit einer großen Nadel hinter dem Schambein (Symphyse) entlang (retrosymphysär) durch bis unter die Bauchdecke geleitet. Durch die Poren im Band kann dieses spannungsfrei ins Gewebe einwachsen. Die Hauptrisiken des Eingriffs sind die Verletzung der Blase und die Zunahme/Entstehung einer Drangsymptomatik.

So hat sich Anfang ein neues Operationsverfahren entwickelt, mit dem gleichen Prinzip und Band, aber mit einer anderen Einlagetechnik. Das Band wird mittels gebogenen Nadeln auch von einem kleinen Schnitt an der Scheidenvorderwand zu beiden Seiten zur Schenkelbeuge geleitet. Dabei passiert das Band eine anatomische Struktur im Becken, die Formen obturatum (lat.: verschlossenes Loch) genannt wird. So wird diese Technik transobturatorisches Band oder englisch tape genannt. Die gebräuchlichen Abkürzungen sind so TOB oder TOT bzw. TVT-O.
Die Operation dauert 10 bis 15 Minuten, bedarf nur einer flachen Narkose und kann gut auch ambulant, d.h. ohne Klinikaufenthalt durchgeführt werden. Eine Verletzung der Blase ist nicht mehr möglich, dafür die von Blutgefäßen und Nerven im Forman obturatum, was aber sehr selten vorkommt.
Unsere Praxis hat schon 250 solcher Schlingenoperationen (TVT und TOB) durchgeführt. Die Erfolgsrate liegt wie in den meisten Zentren bei 80-90%, Komplikationen sind selten (Bluterguß, Drangsymptomatik). Wir bevorzugen in den meisten Fällen das TOB und führen es zur Zeit nur ambulant durch im ambulanten OP von Dr. Wassmann, Theaterstr. 14 in der Innenstadt von Hannover.

Pessar-Therapie

Pessar-Ring

Urethapessar

Pessare sind Ringe, Schalen oder Würfel aus weichem Silikon in verschiedenen Größen, die in die Scheiden eingeführt werden, meist zur Behandlung von Senkungsbeschwerden. Es gibt aber spezielle Urethapessare mit einem kleinen Wulst vorne, der die Harnröhre bei Belastung leicht zudrückt und so ungewollten Urinabgang verhindert. Scheidenpessare können von Ihnen selber oder vom Arzt eingesetzt und regelmäßig gereinigt werden.

Inkontinenzartikel

Inkontinenzvorlagen (links), undTampon

Hierunter fallen an erster Stelle Inkontinenzvorlagen. Diese stellen natürlich keine Therapie dar sondern nur eine Behelfsmöglichkeit für Frauen, die nicht behandelt werden wollen oder können. Inkontinenzvorlagen können von Ihrem Arzt als Hilfsmittel rezeptiert werden. Hilfsmittel sind nicht budgetiert, wie manche Ärzte glauben. Leider haben Sie bei vielen gesetzlichen Krankenkassen (z.B. AOK, Barmer, BKKs) nicht die freie Auswahl an Vorlagen, sonder sie vermitteln ihren Versicherten einen speziellen Lieferanten, der sie jeden Monat oder Vierteljahr mit Vorlagen versorgt. Für spezielle Produkte (z.B. von Tena oder Attends) müssen Patientinnen dann zuzahlen.
Es gibt auch medizinische Tampons verschiedener Größe aus Schaumstoff, die mit Gleit- oder Hormoncreme bestrichen in die Scheiden eingeführt werden können (z.B. Conatm®), um so Urinverlust zu vermeiden. Dieses Hilfsmittel ist geeignet für Frauen, die nur in seltenen Situationen wie beim Sport Urin verlieren und sonst nicht.