Inkontinenzsprechstunde:
Therapie der Dranginkontinenz

Medikamentöse Therapie

Die häufigste Therapie bei der Dranginkontinenz ist die Verordnung von Medikamenten. Bei einer leichten Reizblase hilft häufig reichliches Trinken (> 3 Liter am Tag). Am besten sind Harntees (Bärentraubenblätter, Goldrutenkraut). Die nächste Stufe der Behandlung der Reizblase ist die Einnahme von pflanzlichen Mitteln (Phytotherapeutika) wie Kürbissamenextrakt. Leichte Blasenentzündungen lassen sich meist mit Preisselbeer- oder Cranberrysaft ausheilen.

Helfen Phytotherapeutika nicht mehr oder liegt bereits eine Dranginkontinenz vor, kommen Mittel zum Einsatz, die die Blase beruhigen. Dieses geschieht über Blockung der Übertragung von Nervenreizen auf die Blasenmuskulatur mit sogenannten Spasmolytika oder Parasympathikolytika.

Lassen Sie sich von Fachleuten beraten, welches Medikament für Sie am besten ist. Sie unterscheiden sich insbesondere in ihren Nebenwirkungen wie trockener Mund und Sehstörungen.

Bei Frauen im Klimakterium empfiehlt sich auch die Gabe von Östrogenen. Meist reicht es, zweimal in der Woche ein Scheidenzäpfchen mit dem leichten Östrogen Östriol (nicht Östradiol wie in den meisten Hormonbletten) zur Nacht einzuführen. Eine erhöhte Gefahr für Brustkrebs bei vaginaler Gabe ist nicht bekannt.

Beckenbodengymnastik

Auch BBG kann bei der Behandlung Dranginkontinenz hilfreich sein. Allerdings kommt es hier weniger auf eine Anspannung als auf eine Entspannung des Beckenbodens an. Diese Technik kennen nicht alle Therapeuten. Deshalb gilt auch hier, suchen Sie sich eine spezialisierte Physiotherapeutin in Ihrer Nähe per Postleitzahl ( www.ag-ggup.de ).

Verhaltenstraining / Miktionstraining

Noch mehr als bei der Belastungsinkontinenz helfen hier kleine Änderungen im Leben. Verzichten Sie auf treibende Getränke wie Tee, Kaffee und Alkohol. Trinken Sie tagsüber, weniger am Abend.


Elektrostimulation

Mittels einer Elektrode in der Scheide oder auf der Haut werden die Muskeln des Beckenbodens gestärkt und so die Verschlusskraft des Schliessmechanismus der Harnblase verbessert. Eine Einweisung erfolgt durch geschulte Inkontinenzberaterinnen.


Pessar-Therapie

Pessare sind Ringe, Schalen oder Würfel aus weichem Silikon in verschiedenen Größen, die in die Scheiden eingeführt werden, meist zur Behandlung von Senkungsbeschwerden. Liegt eine Dranginkontinenz oder Drang- symptomatik bei gleichzeitiger vorderer Scheidensenkung (Blasensenkung, Zystozele), dann kann das Einlegen eines Schalenpessar zum Anheben der Blase oft eine deutliche Abnahme der Beschwerden bewirken. Leider kann es dadurch aber zum Auftreten von Belastungsinkontinenz kommen. Deshalb sollten Sie das Vorgehen auf jeden Fall mit einem Spezialisten vorher besprechen. Scheidenpessare können von Ihnen selber oder vom Arzt eingesetzt und regelmäßig gereinigt werden.


Operationen

Eine Operation wird eher selten zur Behandlung der Dranginkontinenz eingesetzt. Es gelten die gleichen Umstände wie bei der oben geschilderten Pessartherapie. Durch die Operation wird die Blase angehoben, wie auch mit dem Pessar. In jedem Fall sollte deshalb eine Pessartherapie ausprobiert werden, ob ein Therapieerfolg zu erwarten ist.

Inkontinenzartikel

Inkontinenzvorlagen (links) und Tampon

Hierunter fallen an erster Stelle Inkontinenzvorlagen. Diese stellen natürlich keine Therapie dar sondern nur eine Behelfsmöglichkeit für Frauen, die nicht behandelt werden wollen oder können. Inkontinenzvorlagen können von Ihrem Arzt als Hilfsmittel rezeptiert werden. Hilfsmittel sind nicht budgetiert, wie manche Ärzte glauben. Leider haben Sie bei vielen gesetzlichen Krankenkassen (z.B. AOK, BEK, BKKs) nicht die freie Auswahl an Vorlagen, sonder sie vermitteln ihren Versicherten einen speziellen Lieferanten, der sie jeden Monat oder Vierteljahr mit Vorlagen versorgt. Für spezielle Produkte (z.B. von Tena oder Attends) müssen Patientinnen dann zuzahlen.
Es gibt auch medizinische Tampons verschiedener Größe aus Schaumstoff, die mit Gleit- oder Hormoncreme bestrichen in die Scheiden eingeführt werden können (z.B. Conatm®), um so Urinverlust zu vermeiden. Dieses Hilfsmittel ist geeignet für Frauen, die nur in seltenen Situationen wie beim Sport Urin verlieren und sonst nicht.