Gravida
Hier wird die Anzahl der bisherigen Schwangerschaften angegeben. Auch Fehlgeburten, Abtrei- bungen und Eileiterschwangerschaften werden mitgezählt:

Para
Hier wird die Anzahl der bisherigen Geburten eingetragen.

1. Familiäre Belastung
Diabetes = familiäre Zuckerkrankheit;  Hypertonie = familiärer Bluthochdruck;
Fehlbildungen: z.B. angeborene Herzfehler; genetische Kh. = Erbkrankheiten, z.B. Mongolismus

2. Frühere eigene schwere Erkrankungen (der Schwangeren)
Herzfehler, Bluthochdruck, Gelbsucht, ZNS = Zentrales Nervensystem (Gehirn, Rückenmark). Eine Erkrankung ist z.B. die Epilepsie, Multiple Sklerose u.s.w.

3. Blutungs-/Thromboseneigung
Verzögerte Blutgerinnung bei Wunden oder Zahnziehen. Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln in Blutgefässen, z B. Beinvenenthrombose.

4. Allergie
Überrreaktionen des Immunsystems auf bestimmte Stoffe, insbesondere Medikamente wie Schmerzmittel oder Penicillin, aber auch Nahrungsmittel, Nickel etc.. Beim Kind wird dann nach der Geburt Nabelschnurblut auf eine erhöhte Allergiebereitschaft (IgE), z.B. auf Kuhmilch, untersucht. Daraus lassen sich Ernährungsempfehlungen ableiten.

5: Frühere Bluttransfusionen
Es besteht dann die der Gefahr auf Vorliegen von Antikörpern (s. Seite 2 des Mutterpasses)

8. Rhesus-Inkompatibilität s. auch Seite 2 des Mutterpasses

9. Diabetes mellitus
Bei mütterliche Zuckerkrankheit besteht die Gefahr eines sehr grossen Babies (Makrosomie). Die Zuckerkrankheit sollte deshalb in der Schwangerschaft besonders gut eingestellt sein (Diät, Insulin). Wir empfehlen jeder Schwangeren, einen Blutzuckerbelastungstest durchführen zu lassen, etwa in der 24.-28. SSW.

10. Adipositas = Übergewichtigkeit
Es gilt Ähnliches wie unter 9., da Übergewichtige häufig auch zuckerkrank sind.

11. Kleinwuchs 
Körpergrösse bis 1,50 Meter. Bei einem kleinen Becken kann eine vaginale Geburt erschwert sein, wenn das Kind sehr gross ist (grosser Vater).

12. Skelettanomalien
Veränderungen am Knochenbau, besonders im Becken und der Lendenwirbelsäule, können die Geburt erschweren oder eine Periduralanästhesie (rückenmarksnahe Betäubung) erschweren.

13. Schwangere unter 18 Jahren
Die Schwangerschaft stellt für Minderjährige häufig eine hohe soziale, finanzielle. seelische und körperliche Belastung dar, auf die besondere Rücksicht genommen werden muss.

14. Schwangere über 35 Jahren
In diesem Alter stellt sich insbesondere das erhöhte Risiko für altersabhängige genetische Störungen wie Mongolismus (s. Lexikon unter Trisomie 21).

15. Vielgebärende
Bei Vielgebärenden setzt die Geburt manchmal sehr schnell und überraschend ein und in der Nach- geburtsperiode kommt es vermehrt zu Blutungen durch verzögerte Rückbildung der Gebärmutter (atonische Nachblutung).

16. Sterilitätsbehandlung Behandlung wegen Unfruchtbarkeit
Abgesehen von einer möglicherweise erhöhten seelischen Belastung und einem höheren Alter gibt es kein besonderes medizinisches Risiko.

17. Zustand nach Frühgeburt
Nach Frühgeburt erhöht sich das Risiko dafür auch für die folgenden Geburten. Der Muttermunds- befund sollte ggf. engmaschiger kontrolliert werden, die Kontrolle der Wehen im CTG, des Scheiden-ph und der bakteriologischen Besiedlung der Scheide hilft das Risiko für eine Frühgeburt zu mindern.

18. Zustand Mangelgeburt
Eine Mangelgeburt liegt vor, wenn das Baby weniger Gewicht hat als die meisten Kinder in der ent- sprechenden Schwangerschaftswoche. Grund ist meist die Unterfunktion des Mutterkuchens (Plazentainsuffiziens), welche besonders durch Bluthochdruck und Rauchen in der Schwanger- schaft hervorgerufen wird. Regelmässige Messungen des kindlichen Körpergewichtes (Biometrie) mittels Ultraschall, Doppler-Ultraschalluntersuchungen (bereits ab der 20. SSW) und CTG – Kontrollen lassen eine drohende Mangelversorgung meist frühzeitig erkennen.

19. Zustand nach >= 2 Fehlgeburten / Abbrüchen
Nach mehreren Fehlgeburten erhöht sich dieses Risiko für die folgenden Schwangerschaften. Durch häufige Ausschabungen der Gebärmutter bei Abtreibungen (Abruptio) oder nach Fehlgeburten (Abort) steigt das Risiko für eine verzögerte Lösung der Plazenta.

20. Totes/geschädigtes Kind in der Anamnese (Krankengeschichte)
Der schlechte Ausgang einer Schwangerschaft stellt für die Schwangere eine enorme seelische Belastung dar. Zusätzliche Untersuchungen können die Schwangere beruhigen und mögliche Problemsituationen früher erkennbar machen.

21. Komplikationen bei vorausgegangenen Entbindungen
Zu nennen sind hier besonders der frühzeitige Blasensprung mit oder ohne folgende Entzündung, Wehenschwäche, Blutungen, Geburt mittels Zange (Forcepsentbindung) oder Saugglocke (Vaccuumextraktion) und der Grund dafür, u.v.m..

22. Komplikationen post partum (nach der Geburt)
wie vermehrte Nachblutung durch fehlendes Zusammenziehen (Kontraktion) der Gebärmutter (atonische Nachblutung), Infektion im Wochenbett (Endometritis), Stillprobleme u.v.m..

23. Zustand nach Sectio (Kaiserschnitt)
Nach einer Operation an der Gebärmutter (s.a. 24) kann es unter Wehen zur Zerreissung der Narbe mit folgender Lösung der Plazenta kommen. Zu spät erkannt, können die Folgen für Mutter und Kind tödlich sein. Aber unter genauer Beobachtung können Frauen natürlich auch nach einer Sektio eine Spontangeburt haben.

24. Zustand nach anderen Uterusoperationen (Operationen an der Gebärmutter)
z.B. die operative Entfernung von Myomen. Die Risiken sind dieselben wie nach einer Sektio (s. 23)

25. Rasche Schwangerschaftsfolge (< 1 Jahr)

26. Andere Besonderheiten
wie die Einnahme von Medikamenten.

Beratung der Schwangeren
a) Ernährung: Vegetarier, fast food, Jod- und Folsäure bzw. komplexe Vitaminergänzungspräparate
– Medikamente: Überprüfung der Medikation in der SS, einige sollten abgesetzt werden, einig sind
für die SS unproblematisch (Insulin, Schilddrüsenhormon)
– Genussmittel: Der Zigarettengenuss darf auch entgegen verbreiteter „Gerüchte“ mit Eintritt der
SS sofort ohne Nachteil für das Kind beendet werden.

b) Beruf: Überprüfung der beruflichen Risiken wie Giftstoffe (Putzmittel, chem. Reinigung), schwere
– Heben und Tragen (Lagerarbeiter-, Altenpflegerinnen), Infektionen (Krankenhaus, Kindergarten,
Sozialarbeiterinnen) u.v.m.
– Sport: Das moderate Fortführen aerober Sportarten (ohne Eingehen einer Sauerstoffschuld) wie
Jogging, Aerobic, Schwimmen etc. ist unproblematisch; Kampfsportarten und Leistungssport
sollten vermieden werden.
– Reisen: Fahrten in Länder mit Infektionskrankheiten (Malaria, Hepatitis A) sollten vermieden
werden; bei langen Flügen oder Autofahrten sollte an ein erhöhtes Thromboserisiko in der SS ge-
dacht werden (Thromboseprophylaxe mit Heparin und Bewegung); Beratung zu Reiseimpfungen

c) Risikoberatung: Die Risiken ergeben sich aus den genannten Faktoren
d) Geburtsvorbereitung: Unsere Hebammen bieten selber viele Kurse an und beraten Sie gerne
-(s.a. Rubrik „Hebammen“)
e) Krebsfrüherkennungsuntersuchung: Der letzte Krebsabstrich sollte zu Beginn der SS nicht länger
als 1 Jahr zurückliegen; auch ein vorsorgliche HPV-Abstrich kann sinnvoll sein. Durch die Zunahme
der Brustgrösse ist die Untersuchung auf Brustkrebs erschwert, eine Brustultraschall-Unter-
suchung verbessert hier die Vorsorge bei Bedarf.

Bei all diesen ausgeführten Risiken sollte nicht vergessen werden, dass die meisten Schwangerschaften gottlob unproblematisch verlaufen und ein freudiges Ereignis sind. Die Pflicht von uns Hebammen und Ärzten ist es, alle Schwangeren ausführlich zu beraten und die zu erkennen, die Risiken haben oder entwickeln.