Mutterpass: Seite 6a – Komplikationen

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Mutterpass

Seite 6 ist die Fortsetzung der Seite 5, wobei es hier mehr um Erkrankungen und Risiken der laufenden Schwangerschaft geht.
27. Behandlungsbedürftige
Allgemeinerkrankungen

Angabe von Krankheiten, die schon vor der Schwangerschaft bestanden oder hinzu gekommen sind wie Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, Epeilepsie etc.

28. Dauermedikation
Angabe von regelmässig eingenommen Medikamenten mit Dosierung wie Schilddrüsenhormone, Antiepilektika, Insulin etc.. Manche Medikamente sollten während der Schwangerschaft nicht, oder nur nach genauer Nutzen-Risiko-Abwägung eingenom- men werden, andere sind völlig unbedenklich, einige dürfen gar nicht eingenommen werden. Sollten Sie unsicher sein, fragen Sie bitte uns bitte. Information gibt auch das Embryotoxikologische Institut in Berlin www.embryotox.de

29. Abusus
bedeutet Abhängigkeit von Zigaretten, Alkohol, Medikamenten und Drogen. Für den behandelnden Arzt ist es unverzichtbar, korrekte und ehrliche Informationen zu bekommen, da nur so eine optimale Behandlung von Mutter und Kind möglich ist! Vertrauen Sie sich uns Hebammen und Ärzten an. Ein Eintrag in den MuPa muss natürlich nicht erfolgen

30. Psychische Belastung
Unter diesen Begriff fallen Dinge wie Partnerschafts- und Arbeitsprobleme.

31. Soziale Belastung
Hier gilt natürlich das Gleiche wie bereits oben erwähnt. Bitte lassen Sie sich helfen, es ist keine Schande, wenn es in Ausnahmesituationen Probleme gibt!

32. Blutungen vor der 28.SSW
Blutungen in der Frühschwangerschaft treten weitaus häufiger auf, als Sie denken und müssen nicht gleich eine Fehlgeburt oder einen kindlichen Schaden bedeuten. Sie müssen nur hier dokumentiert werden, da z.B. rh-neg. Mütter entsprechend behandelt/kontrolliert werden müssen.

33. Blutungen nach der 28.SSW
Die Ursachen von Blutungen in der Spätschwangerschaft können vielerlei Gründe haben. Es gilt das gleiche wie oben.

34. Placenta praevia
Bei einer Plazenta praevia sitzt der Mutterkuchen (Plazenta) ganz bzw. teilweise vor dem Muttermund. Die Diagnose wird mittels Ultraschall gestellt. Eine Plac. praevia zu Beginn der SS ist nicht schlimm, da die Plazenta meist noch nach “oben wandert”. Besteht die Plac. praevia noch zum Ende der SS, muss das Kind per Kaiserschnitt beboren werden

35. Mehrlingsschwangerschaft
Hier wird angegeben, ob Sie eine Zwillings- oder gar Drillingsschwangerschaft haben, die dann besonders genau überwacht wird.

36. Hydramnion
bedeutet ein zuviel an Fruchtwasser. Dies kann schon mal spontan auftreten und nicht Ursache einer kindlichen Erkrankung sein. Allerdings kann ein Hydramnion auch auf Fehlbildungen hinweisen und sollte abgeklärt werden. Allerdings ist es die Angabe “ zu viel ” oder “ zu wenig “ Fruchtwasser fliessend.

37. Oligohydramnion
beschreibt genau das Gegenteil des Hydramnions, nämlich zuwenig Fruchtwasser. Auch ein Oligohydramnion kann schon einmal ohne besondere Ursache vorhanden sein, sollte aber ebenfalls abgeklärt werden. Zum Ende der SS nimmt das Fruchtwasser immer ab, ebenso nach einem vorzeitigen Blasensprung. Auch hier können Fehlbildungen vorliegen.

38. Terminunklarheit
liegt vor, wenn der Termin der letzten Regel oder der Befruchtung nicht bekannt ist. Hier geht es nicht um ein paar Tage, sondern vielmehr um Wochen. Dies ist natürlich zum Ende der Schwangerschaft sehr schlecht, da eine Übertragung oder mögliche Frühgeburt medizinische Konsequenzen haben kann. Deshalb wird der Geburtstermin (ET s. unten) per Ultraschall bis zur 20. SSW überprüft und festgelegt. Danach sollte der ET nicht mehr verändert werden.

39. Placenta-Insuffizienz
bedeutet, dass die Plazenta nicht ausreichend durchblutet und das Baby damit nicht mehr genügend versorgt ist. Das Baby wächst nicht mehr ausreichend und kann u.U. in eine sehr gefährliche Unterversorgung geraten. Daher ist hier eine engmaschige Ultraschall-Kontrolle mit Überwachung des kindlichen Wachstums (Biometrie) und der Blutversorgung mit Doppler-US erforderlich.

40. Isthmozervicale Insuffizienz = Zervixinsuffiziens
Hier liegt eine Schwäche des Muttermundes mit Verkürzung des Gebärmutterhalses (Zervix) vor. Typisch ist das von der Mutter unbemerkte und wehenlose Öffnen des Muttermunds nach der 12. SSW. Eine US- Untersuchung von der Scheide aus kann eine Zervixinsuffiziens aufdecken.

41. Vorzeitige Wehentätigkeit
Gemeint sind hier Wehen, die die Zervix verkürzen oder den Muttermund erweichen und öffnen. Nur solche geburtshilflich relevante Wehentätigkeit sollte behandelt werden, da der Einsatz von Wehen hemmenden Medikamenten leider oft unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringt. Bei leichten, nicht den Muttermund verändernden Kontraktion der Gebärmutter hilft oftdie eEinnahme von Magnesium-Tabletten.

42. Anämie
Viele Schwangere leiden unter einer Anämie, dem Mangel an rotem Blutfarbstoff (Haemoglobin oder Hb), der bis zu einem Grenzwert von 12,0 mg% in der Schwangerschaft normal ist. Erst wenn dieser Wert trotz eisenhaltiger Ernährung dauerhaft unterschritten wird, sollte eine Therapie mit Eisen-Tabletten erfolgen. Auch ein Mangel an Folsäure oder Vitamin B12 kann zur Anämie führen, deren Hauptsymptom meist eine extreme Müdigkeit ist.

43. Harnwegsinfektion
Das Problem bei Harnwegsinfekten ist zum einen die Gefahr der aufsteigenden Infektion zu den Nieren- becken. Aber es besteht auch ein Zusammenhang zu vorzeitigen Wehen durch häufige Infekte, die häufig auch unbemerkt verlaufen.

44. Indirekter Coombstest positiv
Dies deutet darauf hin, dass im Blut der Mutter Antikörper gegen das kindliche Blut gefunden wurden. Diese Situation kann eine Gefahr für das Baby darstellen und muss dringend weiter untersucht werden.

45. Risiko aus anderen serologischen Befunden
Gemeint sind auffällige Befunde bei weiteren Blutuntersuchungen wie Röteln, Toxoplasmose etc..

46. Hypertonie
Der Bluthochdruck kann ein Warnsignal für die sogenannte Gestose (Schwangerschaftserkrankung) sein. Ein einmalig erhöhter Blutdruck hingegen kann auch auf Aufregung oder Nervosität hindeuten und ist eher normal. Die angegebenen Grenzwerte sollten auf Dauer nicht überschritten werden, sonst muss mit Blutdruck senkenden Medikamenten behandelt werden.

47. Eiweissausscheidung
Eiweiss im Urin ist in der Schwangerschaft häufig zu finden und erst ab einem dauerhaften Anstieg über den Grenzwert oder in Verbindung mit Bluthochdruck im Rahmen der Gestose als krankhaft anzusehen.

48. Mittelgradige – schwere Ödeme 
Ödeme sind Wasseransammlungen im mütterlichen Gewebe, meist an den Beinen, Füssen und Händen deutlich zu sehen. Ödeme entstehen u.a. durch Eiweissmangel in der SS und sind für sich alleine lästige aber keine bedrohlichen Symptome. Erst im Zusammenhang mit Bluthochdruck und der erhöhten Eiweiss- ausscheidung spricht man von (EPH-)Gestose oder Präeklampsie, eine ernsthafte Komplikation in der SS.

49. Hypotonie
Die grösste Gefahr der Hypotonie, dem niedrigen Blutdruck, ist die Abgeschlagenheit und das Schwarz- werden vor den Augen bishin zum unkontrollierten Fallen bei Kreislaufversagen. Bei häufigem Kreislauf- zusammenbruch kann eine Unterversorgung des Babys auftreten. Hilfreich sind hier pflanzliche Medikamente, die die Herzkraft stärken.

50. Gestationsdiabetes
Hierunter versteht man die neu aufgetretene Zuckererkrankung in der Schwangerschaft. Ein ganz typisches Symptom sind grosse und schwere aber eher unreife Babies (Makrosomie), die nach der Entbindung häufig Probleme mit der Atmung haben. Ein Zuckerbelastungstest (OGT = oraler Glukosetoleraz-Test) in der 24. SSW kann Gestationsdiabetes frühzeitig feststellen. Erkannt kann Gestationsdiabetes meist gut durch Diät oder mit Insulin behandelt werden, ohne das Folgen auftreten.

51. Einstellungsanomalie
Eine „echte“ Einstellungsanomalie kann laut Definition eigentlich erst während der Geburt diagnostiziert werden. Genau genommen handelt es sich hierbei um eine unnatürliche Lage des kindlichen Kopfes. Normalerweise ist der Kopf zum Ende der Entbindung maximal nach vorne geneigt, das Kinn liegt auf dem Brustkorb auf. Bei einer Einstellungsanomalie, die im selten ist, fehlt eben diese Beugung. Auch für die Geburt problematische Lagen wie Beckenend- oder Querlage sollten hier vermerkt werden.

52. Andere Besonderheiten
Hier ist Platz für weitere medizinisch wichtige Befunde