Mutterpass: Seite 7/8 – Untersuchungsbefunde

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Untersuchungsbefunde

Im sogenannten Gravidogramm werden die Untersuchungsbefunde, die die Hebammen und Ärzte im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge erheben.

Die Untersuchungen erfolgen zu Beginn der SS alle 4 Wochen, später dann alle 2 Wochen. Bei Risiken in der SS wie Zwillinge, Bluthochdruck, Übertragung usw. können die Intervalle auch kürzer sein.

Viele Begriffe auf dieser Seite im Mutterpass bedürfen keiner Erklärung, andere wollen wir zum besseren Verständnis hier erläutern.

Datum: Das aktuelle Untersuchungsdatum

Schwangerschaftswoche
Die aktuelle Schwangerschaftswoche, s.a. Seite 6b
SSW ggf. Korr. = korrigierte Schwangerschaftswoche s.a. Seite 6b

Fundusstand
Der Fundus uteri ist das obere Ende der Gebärmutter. Vor der Zeit des Ultraschall war dieser Befund neben Bauchumfang und dem in cm angegebenen Symphysen(Schambein)-Fundus- Abstand die wichtigsten Befunde, um das Wachstum des Kindes zu beurteilen, was besonders bei dicken Frauen erschwert war. Der Fundusstand wir meist im Abstands zu Symphyse (sy), Nabel (N) oder Rippenbogen (Rb) bestimmt, angegebn in cm oder der Fingerbreite (QF). Z.B.:
2 QF über Sy (S+2QF) oder 4 QF über N oder 3 QF unter Rb (Rb-39

Kindslage
Hier wird dokumentiert, wie das Baby in der Gebärmutter liegt. Dieses am Anfang der SS sicherlich noch nicht von Bedeutung und wird daher auch meist nicht eingetragen. Erst wenn der ET näher rückt, spielt die Lage des Babys eine wichtige Rolle.
Die hier verwendeten Abkürzungen sind:
SL = Schädellage, das Köpfchen liegt unten
BEL = Beckenendlage (Steißlage), der Popo liegt unten
QL = Querlage, Kopf und Po liegen seitlich

Herztöne
Bei jeder Untersuchung sollten die kindlichen Herztöne mit einem kleinen, tragbaren Doppler-US- Gerät abgehört werden, wenn dieses nicht durch eine US- oder CTG-Untersuchung erfolgt.

Kindsbewegung
Als Schwangere werden Sie bei Ihrem ersten Baby ab etwa der 20. SSW, als Mehrgebärende ab der 17. SSW die Bewegungen Ihres Babys spüren. Das wird hier im MuPa dokumentiert.

Ödeme
Ödeme sind Wassereinlagerungen im Gewebe, z.B. den Füssen, Unterschenkeln und Fingern, aber auch im ganzen Körper. Das ist gegen Ende der Schwangerschaft recht normal (wenn auch unangenehm), solange die Ödeme nachts und im Liegen weniger werden.
Ödeme, die mit weiteren Symptomen wie Eiweissausscheidung im Urin und erhöhtem Blutdruck einhergehen, können dagegen ein Hinweis auf eine Schwangerschaftserkrankung (Gestose).

Varikosis
Hier wird das Auftreten von Krampfadern als Folge einer generellen Bindegewebsschwäche, die in der SS verstärkt wird, dokumentiert. Die Varizen können an den Beinen auftreten, aber auch am Damm (Vulvavarikosis). Meist verschwinden diese wieder nach der Geburt, ebenso wie dicker gewordene Haemorrhoiden.

Gewicht
Die durchschnittliche Gewichtszunahme in der SS soll ca. 12 kg betragen, verteilt auf das Kind, den Mutterkuchen, das Fruchtwasser, die gesteigerte Blutmenge der Schwangeren und das eingelagerte Gewebswasser bis hin zu Ödemen. Je nach Ausgangsgewicht vor der SS, kann von diesen Werten nach oben und unten abgewichen werden, ohne das eine Gefahr für das Kind besteht.
Schlanke Frauen nehmen meist etwas mehr zu (12-18 kg), mittelgewichtige 12-16 kg, übergewichtige Frauen manchmal nur 7 – 11,5 kg
Gewichtszunahme in Abhängigkeit von der SSW:
1. – 16. SSW  = wenig   17. – 28. SSW  = 200 – 250 g/Woche   ab 29. SSW  = 400 g/Woche
Mit Ultraschall kann das Kindsgewicht heute recht zuverlässig bestimmt werden, besser als über das Gewicht der Mutter.

RR syst./diast.
Blutdruckmessung (nach dem Prinzip von Riva-Rocci), wobei unter syst. (systolisch) der „obere“ Wert und unter diast. (diastolisch) der „untere“ Wert gemeint ist. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck (>140/90) muss streng kontrolliert werden, da er unter Umständen ein warnender Hinweis auf eine Gestose sein kann.

Hb (Ery)
Hb ist die medizinische Abkürzung für Hämoglobin, den roten Blutfarbstoff. Ein leicht fallender Hb im Verlauf der Schwangerschaft ist durchaus normal – allerdings sollte er nicht zu tief sinken (unter 12). Ggf. sollten Sie frühzeitig ein Eisenpräparat einnehmen.
Ery ist die Abkürzung für Erythrozyten, die roten Blutkörperchen, die den Sauerstofftransport im mütterlichen und zum zum Kind erledigen. Die Erys werden meist im Rahmen eines kleinen Blutbildes errechnet.

(Urin)Sediment (Eiweiß, Zucker, Nitrit, Blut)
Diese Werte beziehen sich auf die regelmässig durchzuführende Urinuntersuchung mit Hilfe eines einfachen Streifentestes. Eiweiss ist in geringen Spuren in der SS eher häufig und erst ab einem gewissen Schwellenwert ein Hinweis auf eine.
Auch Zucker kann nach entsprechendem Genuss von süssen Speisen nachgewiesen werden, ohne dass das krankhaft ist. Die sicherste Abklärung einer Zuckerkrankheit in der SS (Gestationsdiabetes) erfolgt über den oralen Glucose-Toleranztest, den wir sehr empfehlen und dessen Kosten die meisten Krankenkassen übernehmen oder erstatten. Der OGT sollte in der 24.- 28. SSW erfolgen.
Nitrit und Blut im Urin können ein Hinweis auf eine bisher symptomlos verlaufende Blasenentzündung sein. Falsch auffällige Werte können durch die Verunreinigung des Urins durch Scheidenschleim entstehen.

Vaginale Untersuchung
Bei der vaginalen Untersuchung werden folgende Befunde erhoben:
– die Länge und Festigkeit des Gebärmutterhalses (Zervix erhalten/verkürzt; weich/fest)
– den Verschluss des Muttermundes (MM geschlossen/erhalten oder für xQF geöffnet)
– der Säurewert der Scheide (Schutz vor Infektionen und damit Frühgeburt (pH 4 bzw. höher)
– Zeichen für eine Infektion der Scheide
– ggf. Fruchtwasserspiegelung (Amnioskopie), die nur bei 1-2 cm geöffnetem Muttermund erfolgen
kann.

Risiko-Nr.
Eintrag aufgetretener Risiken gemäss der Seite 6 im MuPa.

Sonstiges/Therapie/Massnahmen
Hier werden alle weiteren, bisher nicht aufgeführten Befunde eingetragen, wie Laborergebnisse, Medikamente etc..